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Verschenkt und Zugenäht

von Fatima Njoya
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Jeder von uns hat mindestens eine oder mehrere Personen in seinem Umfeld, die aus irgendeinem der folgenden Gründe schwer zu beschenken sind. Haben schon alles. Unsere eigenen finanziellen Bedingungen reichen nicht. Zu wählerisch oder schlicht und einfach der: “denk dir was aus-Typ”.


Mein Bruder gehört zu letzterer Sorte. Alle Jahre wieder stehe ich also vor dem Dilemma: was schenke ich ihm?! Da er offensichtlich keine Schwester ist, fällt alles was ich cool finde schonmal weg. Schade eigentlich, hätte so leicht sein können. Immer wenn ich dann denke: hey das ist es! Versuche ich ein Gespräch in die Richtung zu lenken, um ihn unauffällig auszuhorchen. Leider lande ich immer auf dem Holzweg. Letztes Jahr zum Beispiel. Ich hatte die grandiose Idee Konzertkarten für einen Französischen Hiphopper zu kaufen. Ich wusste, dass er seine Musik hört und dacht mir: Jackpot! Leider verschenkt. Er höre zwar ein paar Songs, würde aber auf kein Konzert gehen.

Es ist nicht so, als hätte ich keine Kreativität beim Schenken, aber bei meinem eigenen Bruder bin ich jedes Mal kurz vor Scheitern. Er hingegen scheint damit kein Problem zu haben und zaubert alle Jahre wieder die irrsten Geschenke aus dem Hut.

Eins seiner liebsten Weihnachten und mein fast schlimmste war, als ich mir von ihm sehr dringend diese eine DVD gewünscht habe. Am Tag der Bescherung konnte er es kaum abwarten mir sein Geschenk zu überreichen. Voller Vorfreude fing ich an auszupacken und musste erstmal schlucken. Vor mir lag das große Lexikon der Dinosaurier in farbiger Ausführung. Mein Bruder rollte sich mir gegenüber vor Lachen. Ich fand das eher weniger lustig und versuchte irgendwie ein freudiges Danke zustande zu bringen. Unabhängig davon, dass ich keinerlei Interesse an Dinos habe, haben wir das Buch vor Jahren geschenkt bekommen. Bis dahin nicht genug sollte ich unbedingt die erste Seite aufschlagen. Im Einband hatte er mit geschwollenen Worten einen kleinen Text zu den besinnlichen Weihnachtswerten zusammengefasst. Es war so absurd, das ich auch anfing zu lachen. Aber aus anderen Gründen als er. Ich sollte weiter Blättern und ganz ehrlich ich war nicht bereit dafür. Natürlich tat ich ihm den Gefallen und siehe da im restlichen Teil des Buches lag die sehnlichst gewünschte DVD. Beide mein Bruder und ich freuten uns – bei ihm war es natürlich Schadenfreude.

Solche Stories kann ich übrigens von jedem Geburtstag und Weihnachten erzählen, da es ihm eine unheimliche Freude bereitet sich „Überraschungen“ auszudenken. Ich muss leider gestehen für solche Streiche fehlt mir sein Drive, da ich ja schon an einem normalen Geschenk verzweifele. Letztes Jahr habe ich immerhin einen Treffer gelandet.

Da sein einziger Wunsch dieses Jahr, schon vergeben ist und ich sowieso zu spät davon erfahren habe, musste ich mir selbst etwas einfallen lassen. Was ich bei unserem letzten Telefonat also noch voller Verzweiflung und Frustration in den Hörer gerufen habe, wird meine ultimative Geschenkidee. Ich schenke ihm Primetime. Mit mir hier in Hamburg. Auf meinen Nacken natürlich. Das hier wird für ihn kein Spoiler sein. Denn wie von allem was ich so tue möchte er sich auch bestimmt hiervon distanzieren.

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