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Single as Fuck – Verliebt, verlobt, betrogen

von Miriam Woelke
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Sonntag, 9 Uhr. Ich wache in einem Bett auf, dass nicht meines ist und rieche Kaffee und Brötchen durch die Tür. Grinsend ziehe ich mir die Decke über den Kopf. Eigentlich läuft gerade alles gut. Endlich. Ich taste nach meinem Handy. „Soundso möchte dir eine Nachricht auf Instagram senden“ steht dort. Bestimmt wieder so ein Sex-Bot denke ich mir und öffne die App. Was danach folgt ist eine ausgewachsene Angstattacke.

Was mir am Sonntagmorgen so frech ins Gesicht grinst ist die Nachricht einer Frau, die mir auf ziemlich offene Art und Weise mitteilt, dass sie diejenige sei, mit der mich mein jetzt Exfreund vier Monate lang betrogen hat. Er war an seinem Geburtstag bei ihr und wir hätten sogar auf ihre Katze aufgepasst, in unserer gemeinsamen Wohnung. Noch nie war mir so schlecht.

Erstmal fühle ich nur Panik. Mein Herz springt mir fast aus der Brust, ich zittere und fange fast an zu hyperventilieren. Das kann nicht sein. Er war doch derjenige, der mir immer vorgeworfen hat eine Affäre zu haben. Niemals hätte er das gemacht. Vor allem nicht, weil er selber zwei Jahre lang betrogen wurden in der Vergangenheit. Zitternd scrolle ich etwas tiefer. Die charmante Frau hat netterweise Screenshots von ihren Konversationen angehängt. Und was ich da lesen darf, schnürt mir die Luft ab. „Remember how I gave you head and then you fucked me?“ – es besteht kein Zweifel.

Freunde sind Friends und Friends sind Freunde

Ich ziehe mir eine Hose über, Schuhe und Jacke an. Noch nie in meinem Leben habe ich so sehr eine Zigarette gebraucht. Halb aus der Tür rufe ich dem Besitzer des vorhin noch so wohlig warmen Bettes zu, dass mein Ex mich betrogen hätte und ich jetzt frische Luft bräuchte. Ich höre wie ich dabei lache und er mich verwirrt anschaut. Klasse Miriam, das will man morgens kurz nach dem Aufstehen hören.

Polternd renne ich die Treppe runter und versuche nicht zu weinen. Keine Träne werde ich an den Typen noch verschwenden. Aber mit irgendwem muss ich reden. Greta schläft um die Uhrzeit noch. Fatima ist gerade frisch in ihre neuen Wohnung gezogen. Bibi hat Besuch von ihrem Freund. Aber Leonie ist bestimmt schon wach! Nach dem Telefonat geht es mir für ein paar Stunden besser, aber irgendwas ist da trotzdem noch. Nur was?

Gefühle habe ich für ihn seit Monaten nicht mehr. Schon vor der Trennung war mir klar, dass es eher eine Zweckgemeinschaft und keine ewige Liebe war. Also kann ich mir dieses komische Gefühl in meiner Brust nicht erklären. Fühle ich mich schlecht? Denke ich, dass ich es irgendwie verdient hatte? Selbstgeisselung ist nämlich voll mein Ding.

“I’m the bad guy… Duh!”

Am Abend liege lange wach. Neben mir höre ich gleichmäßiges Atmen. Normalerweise beruhigt mich das sehr und wiegt mich sanft in den Schlaf. Aber heute wälze ich mich umher, scrolle durch Instagram und spiele irgendwelche Spiele auf meinem Handy. Irgendwann denke ich mir, dass es das ja auch nicht sein kann. Und mir fällt ein Gespräch mit meiner Therapeutin ein, dass wir kurz nach meiner Trennung geführt haben.

Auch da hatte ich ein komisches Gefühl in mir, dass ich einfach nicht beschreiben konnte. Aber Liebeskummer war es nicht. Meine Therapeutin hörte mir geduldig zu, während ich darüber philosophierte, was ich denn alles so falsch gemacht habe in der Beziehung. Als ich fertig war schaute sie mich lange an und sagte trocken: „Sie sind einfach unheimlich wütend!“

Und plötzlich geht es mir besser. Ich atme laut aus und fange leise an zu lachen. Natürlich. Ich war wütend! So unglaublich wütend. Ich habe zwei Jahre meines Lebens an diesen Kerl verschwendet. Mir immer wieder angehört, was ich alles falsch mache und mit wem ich angeblich wilde Affären hätte. Alles habe ich ausgehalten. Habe mich so sehr verbogen, dass ich nur noch ein Ball aus purer Angst und Verzweiflung war. Und jetzt auf einmal kommt heraus, dass ich niemals das Problem war. Mein lieber Exfreund war es! Ich drehe mich um, kuschel mich unter die Decke, höre der ruhigen Atmung zu und schlafe sofort ein.

Am nächsten Tag geht es mir besser. Auf dem Weg zu meiner Freundin Greta höre ich „bad guy“ von Billie Eilish. Ganz laut. Bei ihr angekommen mache ich meiner Wut Luft und schreie so laut, dass selbst die Katzen im Nebenzimmer aufwachen. Während Greta mir meinen Kaffee reicht sagt sie, dass ich glücklich sein kann, ihn endlich los zu sein. Ich nicke und muss wieder laut lachen. Wut hat mir noch nie so viel Spaß bereitet.

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