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Single as Fuck – Hilfe für frisch Verlassene

von Miriam Woelke
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Camille Orgel

„Look Miriam, it’s just not working…“, hörte ich vor fast zwei Monaten aus dem Hörer meines Telefons. Der Mann, in den ich mich vor über einem halben Jahr Hals über Kopf auf Bali verliebt hatte, hatte gerade mit mir Schluss gemacht. Der Mann, für den ich nach Schottland ziehen und studieren wollte. Der Mann von dem ich dachte, dass ich ihn eigentlich nicht mehr hergeben wollte für den Rest meines Lebens. Vier Tage verbrachte ich bei einer lieben Freundin, die mich aufpäppelte, mich zum Essen drängte und auf mich wie auf ein krankes Pferd einredete. Ich bekam Nachrichten von Freunden und Familie, die alle ungefähr ähnlich klangen: „Er weiß ja gar nicht, was er verpasst!“, „Das wird er noch bereuen!“ oder mein absoluter Favorit: „Na ja, Fernbeziehungen klappen ja eh nie.“ – Toll, das alles interessierte mich herzlich wenig. Alles was ich wollte war, dass er in Tränen aufgelöst, mit Blumen und Gitarre vor meiner Haustür auftaucht und mich um Verzeihung bitte. Spoiler: Ich warte bis heute vergeblich.

Ich denke mal, dass jeder von uns schonmal eine Trennung mitgemacht hat. Alle sind gleich schlimm und scheinen unüberwindbar. Aber ich wäre nicht ich, hätte ich nicht ein etwas ausgefallenes Erholungsprogramm parat. Denn an so einen Müll wie „Iss viel Eiscreme, trink Prosecco mit deinen Freundinnen und schaue 20x „The Notebook“, glaube ich einfach nicht. Hier also mein erste Hilfe Guide für alle, die nicht in Trauer und Selbstmitleid ertrinken wollen.

1. Freunde sind das A&O

Viel zu lange habe ich immer versucht alles alleine zu bewältigen. Gefühle wurden heruntergeschluckt und Probleme mit sich selbst ausgemacht. Und lasst mich euch eins verraten: Das ist furchtbar erschöpfend und Kräfte zehrend. Die Welt ist nämlich nur halb so grob und einschüchternd, wenn man Freunde an seiner Seite hat. Gerade in den Tagen nach der Trennung,waren meine liebsten Menschen einfach die wichtigsten. Sei es meine Freundin Miriam (ja, wir haben denselben Namen), die ich zu Anfang schon erwähnt hatte, die sich so lieb um mich gekümmert hat. Oder mein Mitbewohner, der zwar eher Typ emotionaler Stein ist, wie ich eigentlich auch, der mir aber Schokolade auf mein Kopfkissen gelegt hat. Auch Anni und ihr Freund haben mir noch am selben Tag ein Carepaket vorbeigebracht.

Bei euren Freunden könnt ihr so viel jammern, weinen und wütend über die Trennung sein, wie ihr wollt. Wenn es wirklich die Richtigen sind, werden sie es verstehen und euch auch beim sechsten Mal trösten, wenn ihr wieder wie ein Wasserfall heulen müsst. Allerdings: Wahre Freunde sollten euch zwar unterstützen und gerade in den ersten Tagen eure schwankende Gefühlswelt tolerieren, aber ab einem gewissen Punkt, sollten sie euch auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Wenn ihr zum Beispiel zu viel darüber fantasiert, dass euer Partner bestimmt wieder zurückkommen wird. Oder ihr zum hundertsten Mal auf seinem Facebookprofil vorbeischaut, ob er denn schon eine neue hat. Das hindert euch nur am Bewältigen der ganzen Trennung und glaubt mir, das wissen die meisten eurer Freunde aus eigener Erfahrung.

2. Schaut verdammt nochmal die richtigen Filme!

Wie bereits weiter oben bemerkt, halte ich nicht viel von Liebesfilmen kurz nach einer Trennung. Okay, ich halte nie wirklich viel von ihnen, aber das ist eben Geschmacksache. Aber in einem Stadium, wo ihr bei dem ersten Ton eines Liedes schon in Tränen ausbrechen könnt, weil es euer Song war, sind Ryan Gosling, Julia Roberts und co. doch eher Dynamit als Pflaster. „Aber Miriam, ich will heute wirklich nicht vor die Tür, was soll ich denn sonst schauen?“, mag die ein oder andere jetzt vielleicht Fragen. Ein Wort: Frauenpower! Nichts hilft besser, als Filme oder Serien mit Frauen, die auch ohne Mann glücklich sind bzw. sich von nichts unterkriegen lassen. Bis Carrie in der letzten Staffel von Sex and the City ihren Big bekommt, ist sie auch allein unterwegs und erforscht die Vorzüge und Nachteile der Männerwelt. Wobei Miranda uns Samantha immer mehr zu mir gesprochen haben, denn sie sind wohl die toughesten Frauen (neben meiner Mutti natürlich), die die Serienwelt zu bieten hat. Gute Serien auf Netflix wären zum Beispiel auch Girlboss, Orange is the new Black oder mein absoluter Favorit The Unbreakable Kimmy Schmidt. Filmtechnisch helfen mir einfach nach wie vor die Tarantino Filme am besten. Die Braut aus Kill Bill ist und bleibt wohl der Inbegriff des Wortes Frauenpower. Aber auch für diejenigen, die es nicht ganz so blutig mögen gibt es etwas. How to be Single ist eine leichte Komödie, die sowohl zum Nachdenken anregt, als auch zum Lachen bringt. Die Liste der Filme und Serien mit starken weiblichen Hauptrollen ist gerade in den letzten Jahre enorm gewachsen. Also schaut euch um und findet die Art Ablenkung auf Netflix oder sonst wo, die passen für euch ist.

3. Break Ups are Shit – Meine ganz persönliche Art zu Verarbeiten

Witziger Weise hatte ich die Playlist mit dem schönen Namen Break Ups are Shit bereits vor über einem Jahr angelegt, als sich mein letzter Freund von mir getrennt hatte. Wer hätte gedacht, dass ich sie jetzt wieder verwenden würde?

Doch was finden wir auf dieser ominösen Musikliste? Wie ihr euch vielleicht denken könnt, gilt für mich das gleiche Prinzip wie bei den Filmen. Ed Sheeran, Céline Dion und wie sie nicht alle heißen, finden hier keinen Platz. Schliesslich habe ich schon ein gebrochenes Herz und brauche definitiv niemanden, der mir dann noch von seinen eigenen Beziehungsproblemen und Trennungen vorsingt. Hier also kurz meine Top 5 aus der Liste, die unbedingt auch auf eure gehören sollten!

  1. You Suck at Love – Simple Plan
  2. Black Sheep – Gin Wigmore
  3. All Men are Pigs – Studio Killers
  4. So What – P!nk
  5. Bust Your Windows – Jazmine Sullivan

Für die, die es doch etwas seichter Mögen, aber trotzdem nicht so kitschig, habe ich noch zwei Album Tipps. Taylor Swift gehört schon seit Jahren zu meinen Guilty Pleasures und seit neustem gesellt sich auch Harry Styles dazu. Taylor mit dem Album 1989, auf dem es zwar auch einige Liebesbaladen gibt, die aber durch ihren Popgesang und den Rhythmus eher zum tanzen und singen einladen, als zum einrollen und weinen. Das Album von Harry Styles wiederum (es trägt den unglaublich kreativen Titel Harry Styles) ist entweder sehr rockig oder unheimlich ruhig. Die besten Songs sind für mich die etwas rockigeren, Kiwi und Carolina. Und natürlich geht es in diesen beiden Liedern um starke Frauen, sonst wären es nicht meine Favoriten.

4. Hass, Hass, Hass – Die kommen eh alle wieder!

Dieser Part ist mit Abstand der schönste und befreienste Teil am Verlassen werden. Hemmungsloser Hass! Damit meine ich nicht, dass ihr Nachrichten und Facebook Posts verfassen sollt, in denen ihr eurem Ex-Partner Verwünschungen an den Kopf werft. Das ist ihr oder ihm gegenüber unfair und eure Würde solltet ihr besser behalten.  Mit hassen meine ich eher, dass ihr über alles nachdenkt, was sowieso nicht gepasst hat. Schaut euch jede Angewohnheit an, die ihr an eurem Ex-Partner nicht leiden konntet und hasst sie leidenschaftlich. Ich für meinen Teil muss zum Beispiel immer daran denken, wie mein Verflossener in der Sekunde in der er sein Essen beendet hatte, schon halb aus der Restauranttür heraus war. Egal, ob ich fertig war oder nicht. Und es gibt nichts Schlimmeres, als sich beim Essen stressen zu lassen!

Was mir auch immer hilft, ist der Gedanke, dass er in einem Jahr wieder vor meiner Tür stehen wird. Denn glaubt es oder nicht: Das war bis jetzt bei allen meiner Männer so. Diese Gedanken steigert das angeschlagene Selbstwertgefühl ungemein und hilft, über die ersten schweren Wochen hinwegzukommen.

5. Finde dich selbst und deine Art, die Trennung zu verarbeiten

Die vier vorangegangen Tipps sollen unmittelbar nach der Trennung helfen. Um ein bisschen Stabilität in das Wechselbad der Gefühle zu bringen. Aber es kommt der Punkt, da hat man alle Filme geschaut und die Freunde sind gerade nicht erreichbar. Was tun, wenn man auf einmal alleine mit sich und der Tatsache ist, dass man wieder Single ist? Leider muss ich sagen, dass es dafür kein Universalmittel gibt. Jeder verarbeitet Dinge auf seine ganz eigene Weise. Der Artikel kann helfen, den Weg dorthin zu finden, aber letztendlich müsst ihr selbst wissen, was für euch am besten funktioniert. Für manche ist es Sport, für andere ist es tanzen gehen mit Freunden und für mich ist es das Schreiben. Sich einfach alles von der Seele schreiben zu können, das hat mir nach der Trennung am besten geholfen. Dieser Text hier gerade ist nur ein weiterer Schritt im Bewältigungsprozess. Aber es hilft.

Versucht in euch herein zu hören und etwas zu finden, dass euch hilft, mit dem Thema umzugehen. Keine Ideen? Probiert neues aus! Denn so gewinnt ihr doppelt. Ihr findet nicht nur eine Möglichkeit, euren Schmerz zu verarbeiten, sondern lernt dabei auch neue Dinge über euch selbst. Und das ist meistens das Schwierigste. Sich selbst wieder als Einzelperson kennenzulernen. Aber nehmt es wie ich. Seht dieses Kennenlernen nicht als Bürde, sondern als spannende Chance. Denn am Ende müssen wir erstmal mit uns ins Reine kommen, bevor wir uns auf eine andere Person einlassen können.

Damit wäre der erste Post zur Serie Single As Fuck zu Ende. Ich hoffe, ihr seht die Tipps mit einem Augenzwinkern. Jeder geht mit einer Trennung anders um und das ist auch völlig okay! Das Wichtigste ist einfach, dass ihr etwas tut. Denn niemand profitiert davon, am wenigsten man selbst, wenn man die Gefühle ignoriert oder verdrängt.

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