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Melanin&Me – Wer hat Angst vorm schwarzen Mann

von Fatima Njoya
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Stille Wasser sind Tief und manche Zeiten sind wie Bengalos. Laut und grell und nirgendwo kommt man richtig zur Ruhe. Kaum hat man einen kleinen Spot zum Verschnaufen gefunden, da knallt es schon wieder in unmittelbarer Nähe. Man hat eigentlich keine Wahl, als mittendurch zu gehen. Wir leben in so einer Zeit. In der man möglicherweise vor gewissen Dingen die Augen verschließen kann, aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass man sie damit los ist. Sie besuchen dich ich deinen Träumen, rufen dir von der anderen Seite zu und rauben dir den Schlaf.

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann.

Da hat sich doch keiner was bei gedacht. Das gehört wie aufgeplatzte Knie und Brieffreundschaften zum Kindsein dazu. Doch irgendwann wächst man da raus und das aufgeschürfte Knie ist nicht mehr nur ein Zeichen von Abenteuerlust und unbedachter Wildheit. Aus Kindereien wird auf einmal bitterböser ernst, besonders wenn man merkt, dass der schwarze Mann nicht nur Fiktion ist. Der Schwarze Mann ist man selbst.
Mir ist das nie so aufgefallen. Irgendwann vergisst man die Unterschiede. Jeder hat etwas anderes, das ihn ausmacht – man kennt sich eben in- und auswendig. Dort hinter den sicheren Toren. Doch die Welt da draußen kennt dich nicht und du sie auch nicht. Sie ist groß, laut und fremd und auf einmal ist da so viel, was nicht mehr ins Puzzle passt, das keinen Sinn ergibt.

Wieso setzt sich die wildfremde Person in der Bahn auf einen anderen Platz? Zieht die Tasche auf einmal enger an den Körper und schaut beunruhigt zu dir rüber. Wieso ist in den ersten drei Fragen, die Frage nach der eigenen Herkunft so omnipräsent. Wieso ist von vornherein schon klar, dass Deutschland nicht die Antwort auf wo kommst du her sein kann?

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Niemand, haben sie alle aus vollen Kehlen gebrüllt, ohne darüber nachzudenken, dass in ein paar Jahren möglicherweise der ein oder andere insgeheim mit einem ich geantwortet hätte. Ich bin der schwarze Mann und so richtig bewusst ist mir das immer erst dann geworden, wenn mich mal wieder jemand unsanft darauf aufmerksam gemacht hat. Wenn du mittendrin bist, aber außen vor. Wenn der Witz nicht nur auf deine Kosten, sondern unter die Haut ging. Es gibt da diese Schlüsselmomente. In denen man merkt, dass diese Idee von Gleichheit nicht so existiert, wie sie das eigentlich sollte. Auf dem Papier sind wir gleich, Nummern, Ziffern, Zahlen. Doch im Leben, da wo die Musik spielt, da werden Unterschiede spürbar. Blicke brennen sich ein und Worte, die treffen. Ihr Ziel. Jedes Mal auf Neue. Und selbst wenn sie abprallen, hallen sie nach. Manche Tage andere Wochen.

Niemand, lacht der Anstand. Und manchmal tut das weh. Frustriert, weil auch in einem Niemand mehr mitschwingt, als man gerne tragen möchte. Weil Niemandsland immer ein bisschen unbequem ist. Keiner will es betreten oder den ersten Schritt machen. Als gäbe es dafür eine Zauberformel. Dialoge sprechen nicht gerne alleine, also sollte man sich manchmal lieber einfach  die Knie aufschürfen. Das tut zwar erst weh, aber Pflaster, Zeit und eine Hand, die einem aufhilft, könne Wunder bewirken.

 

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Zubeir Mohamed 26. November 2019 - 19:27

Wow, Fatima toller Blogbeitrag. Sehr bewegend vor allem wenn man damit konfrontiert wurde.

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