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MELANIN&ME – SPIEGELBLICKE

von Fatima Njoya
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Spieglein, Spieglein. Er schaut dich an. Du schaust ihn an, aber eigentlich schaust du dich an. Durch dich hindurch. Mit welchem Zweck? Blicke begegnen sich, um anzukommen. Durchschaubar-undurchschaubar. Blick zurück, Duette der Spiegelung. Mit Worten werfen wäre Zwecklos. Am Ende prallen sie ab oder treffen dich, Bumerang. Blick abwenden und kalte Schulter im Doppelpack. Kettenreaktion, Spiegelblicke sind die Augen des Betrachters.

Konstrukte, die uns in Schubladen zwängen. Schubladen, die etwas zu einem Kraftakt machen, der eigentlich keiner ist. Härter, besser, stärker. Wem will ich hier etwas beweisen? Wut. Trotzt. Traurigkeit. Wieso muss ich mich überhaupt beweisen uns, warum sind so viele Dinge immer mit Kampf und Anstrengung verbunden? Am Ende ist da dann doch wieder diese unerreichbare Messlatte. An die ich nicht herankomme, egal wie sehr ich mich auf die Zehen stelle und versuche nach den Wolken zu greifen. Es reicht nicht, es wird irgendwie immer dieser eine Zenti- oder Millimeter zu wenig sein – nicht ausreichend. Es heißt, mit dem Erwachsen werden, werden Dinge Leichter. Weil man sie besser versteht. Nachvollziehen kann oder einfach reif genug ist darüber hinwegzusehen. Doch manche Dinge werden auch mit dem Alter nicht einfacher, lassen einen nur deutlicher Verstehen, dass es immer noch verschlossene Türen gibt.

Am liebsten würde ich schreien, wild um mich schlagen und dann wieder weinen, aber ich kann nicht.
Am liebsten würde ich meinen Gegenüber durchschütteln, mit den Fäusten trommeln, doch ich tue nichts.

Ich habe keine Worte für Dinge die lieber unausgesprochen bleiben sollten.

Dennoch gibt es Leute, die versuchen ihre ungefilterten Gedanken auszuformulieren, egal wie verletzten das womöglich für den anderen sein könnte. Ich lache und bedanke mich. Den das ist es, was man tut, wenn man ein Kompliment bekommt. Auch wenn dieses Kompliment impliziert, dass du hier keinen Platz hast. Ich lächle weiter, obwohl es mir wieder und wieder an den Kopf geworfen wird. Denn man bedankt sich doch, wenn man ein Kompliment bekommt? Wieder und wieder im Laufe desselben Abends. Selbst freundlich formuliert und vermutlich einfach so dahingesagt nimmt es der Grundessenz der Aussage nicht weniger von seiner Härte: Du bist schön, aber nicht weiß genug.

Sagt er, sie lächelt und bedankt sich.
Sagt er und das Spiel wiederholt sich.
Sagt er und wir drehen uns im Kreis.

Ablehnung zu Erfahren wegen einer Sache, die man nicht kontrollieren kann.
Und dabei geht es nicht um das Nein an sich. Denn Geschmäcker sind eben verschieden und unbeeinflussbar. Doch ein richtiges Nein ist eben am Ende immer noch besser, als ein falsches Nein. Es ist friedlich und auf Augenhöhe. Es gibt nichts zu beweisen.

Denkt sie, naiv.
Du bist schön, aber
am falschen Platz denkt sie – mit Worten werfen wäre zwecklos.

 

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