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Melanin&Me – Revolution auf dem Kopf

von Fatima Njoya
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In Zeiten von #Stayingin und #alldressedupandnowheretogo bleibt das morgendliche Ritual, des sich Fertigmachens vielerorts auf der Strecke. Wenn man sich sowieso nur in den eigenen vier Wänden bewegt und die wenigen Leute, die einen zu Gesicht bekommen Familie und Freunde sind, ist Comfty-Clothing die naheliegende Uniform. Doch Haare sind wenig Fan von Zweitplatzierung. Sie wollen Aufmerksamkeit und Pflege – was in der Alltäglichen-Rush-Hour oft hinten angestellt werden muss. Zeit für einen Prioritätenwechsel.

 

Ich habe euch verflucht, geliebt, gepflegt und vernachlässigt.

2019 oben ohne hat sich auf meinem Kopf bis jetzt viel getan. Schon bin ich in der Lage für den winzigsten Dutt der Welt – wie ich ihn liebevoll bezeichnen würde. Die neugewonnene Länge verlangt aber mehr oder weniger lautstark nach Zuwendung. Pflege, Wasser, Rücksichtnahme. Jetzt wo Zeitdruck als Ausrede wegfällt lässt sich diese Tatsache nicht mehr als Nebensächlichkeit betrachten.

„Das mit uns war immer so eine Hass-Liebe. Irgendwo zwischen ungewolltem Übel und dem Zauber des besonderen. Ich habe mir euch nicht ausgesucht und trotzdem mussten wir einander ein Leben lang treu bleiben. Ich habe euch verflucht, geliebt, gepflegt und vernachlässigt. Das mit uns war immer Achterbahn und Hals über Kopf. Es ist eine Lovestory mit so viel Drama, dass es für bestimmt drei Fortsetzungen reicht.“

Habe ich geschrieben und gefühlt.
Denn ein Lockenkopf bedeutet immer mehr Arbeit als Vergnügen. Zumindest, wenn man Wert auf gesundes Haar legen möchte. Momentan schwanke ich irgendwo zwischen #growthefro und runter damit.

 

Sie erzählen Geschichten und tragen Erinnerungen mit sich

Wie politisch und tiefgreifend-intim die Beziehung zum eigenen Haar ist, war mir lange nicht klar. Zumindest nicht in solch einer Tragweite. Für mich waren es immer persönliche Anliegen. Wie das ungefragte Anfassen der Haare, von Fremden (aber auch von Freunden). Die Verknüpfung mit etwas exotischem. Aufgrund offen getragenem Afro angestarrt zu werden, als wären er und ich eine Attraktion. Get over it, das sind nur Haare. Denkt man bei sich und trotzdem sind es nicht NUR Haare, sondern so viel mehr. Ein Zeichen für Fremdsein. Nichtakzeptanz. Schräge Blicke. Ungefragte, fragwürdige Komplimente, die nur auf die Andersartigkeit abzielen.

Wie viel Schmerz, Unterdrückung und persönliche Kämpfe mit Afrohaar und seinen verschiedenen Frisuren verbunden ist, habe ich erst in den letzten Jahren realisiert und gelernt. Dass diese Dinge nun auf einmal Trend sind, hinterlässt zeitweilig einen bitteren Beigeschmack. Natürlich sehen diese Frisuren wunderschön aus, empowernd und umwerfend. Ganz geschweige von dem großen Aufwand, welcher dahintersteckt. Doch sie erzählen auch Geschichten und tragen Erinnerungen mit sich, deren Quintessenz alles andere als angenehm ist, Wunden aufreißt und mahnend über uns thront.

 

Revolution auf dem Kopf

Nachdem ich mich in den letzten Tagen #Stayhome viel mit meinem Haar beschäftigt habe. Sie mit zwei Protective Stylings innerhalb von fünf Tagen, fast schon mit Aufmerksamkeit überschütte, stecken wir nun in Friedensverhandlungen. Nähern uns sachte an und versuchen ein Miteinander zu finden.

Besonders inspirierend dazu: die Netflix Miniserie über Madame C.J. Walker. Die mithilfe ihrer Haarprodukte den afroamerikanisch gelesenen Frauen dazu verholfen hat sich selbst zu Empowern. Groß zu Träumen und in einer Welt, die ihnen oft die kalte Schulter zeigt, zu bestehen. Denn schönes Haar und sich mit diesem im Einklang zu befinden kann bestärkend sein. Wenn man es mit Stolz tragen kann, ohne sich verstecken zu müssen oder das Gefühl zu haben dadurch benachteiligt zu werden. Revolutionen oder Umdenken fängt nicht nur im Kopf, sondern manchmal eben auch auf dem Kopf an.

In diesem Sinne #stayhome, #staysafe und vor allem #protectyourcurls.

 

 

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