Home Column Melanin&Me – Oben Ohne

Melanin&Me – Oben Ohne

von Fatima Njoya
2 comments

Das mit uns war immer so eine Hass-Liebe. Irgendwo zwischen ungewolltem Übel und dem Zauber des besonderen. Ich habe mir euch nicht ausgesucht und trotzdem mussten wir einander ein Leben lang treu bleiben. Ich habe euch verflucht, geliebt, gepflegt und vernachlässigt. Das mit uns war immer Achterbahn und Hals über Kopf. Es ist eine Lovestory mit so viel Drama, dass es für bestimmt drei Fortsetzungen reicht.

Meine Haare und ich, das war schon immer irgendwo zwischen Höllenfahrt und siebter Himmel. Damit ist jetzt Schluss. Ab heute oben ohne. Ich ziehe nicht blank. Zumindest nicht so, wie man es vielleicht erwartet hätte. Trotzdem bin ich nackt, obenrum.

Was bin ich für ein Mensch ohne meine Haare? Wie verändert das meinen Blick auf mich selbst? Wie fühlt sich das an und kann ich auch ohne diese Fülle auf meinem Kopf ich sein?

Mit dieser Entscheidung ringe ich schon seit zwei Jahren. Nach meine Kahlschlag Fiasko mit 5, stand für mich immer fest: nie wieder kurze Haare. Alle dachten, ich wäre mein Bruder und andersherum. Aber mittlerweile bin ich alt genug nicht mehr einem Ideal hinterher zu laufen, dass für mich unerreichbar ist.  Alt genug, um mich nicht mehr nur über meine Haare zu definieren. Über meine Haare definiert zu werden. Von Leuten, die mich in eine Schublade stecken, in der ich meinen eigenen Platz nicht finde. Ich bin weder A noch B, sondern irgendwo dazwischen. Eine Grauzone. Hier kann man sich nicht verlaufen, hier wird man abgestellt und je nach Lust und Laune in die eine oder andere Richtung gezerrt. Mein Haar macht mich anders. Es ist meine Stärke, eine Löwenmähne. Jedoch auch Angriffsfläche. Mittel zum Zweck, ich werde subtrahiert und reduziert, bis da nichts mehr von mir übrig ist – nur das Haar.

Jetzt sitze ich hier, oben ohne. Irgendwie schutzlos. Da ist nichts, hinter dem ich mich verstecken kann, was ich vorausschicken kann. Nichts, woran ich mich festhalten kann und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen hat es sich nie besser angefühlt. Kahlschlag.

Hallo, hier bin ich und zwar oben ohne!

Was dir auch gefallen könnte

2 comments

Drusilla 12. März 2019 - 5:31

Hi there! Such a wonderful article, thanks!

Reply
Melanin&Me - Revolution auf dem Kopf - oh-bama 23. März 2020 - 19:09

[…] Habe ich geschrieben und gefühlt. Denn ein Lockenkopf bedeutet immer mehr Arbeit als Vergnügen. Zumindest, wenn man Wert auf gesundes Haar legen möchte. Momentan schwanke ich irgendwo zwischen #growthefro und runter damit. […]

Reply

Lass uns einen Kommentar da

* By using this form you agree with the storage and handling of your data by this website.

Um unsere Webseite für dich optimal zu gestalten verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen kannst du in unserer Datenschutzerklärung finden. Einverstanden Mehr dazu