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Muttertag ohne Mutter – Mama wäre stolz

von Miriam Woelke
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Es gibt drei Tage im Jahr, die für mich besonders schwierig sind. Heiligabend, der Todestag meiner Mama und Muttertag. Um ehrlich zu sein ist der letztgenannte wohl am anstrengendsten. Denn egal wo ich auch hingehe, überall springt mich Werbung an. Sie soll mich daran erinnern, an besagtem Tag an meine Mutter zu denken und ihr eine kleine (teilweise auch sehr große) Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Jokes on you Werbeindustrie – Ich denke jeden Tag an sie. Jeden verdammten Tag.

Burger und Tränen

Irgendwann im Februar. Vor drei Stunden habe ich meine Zwischenprüfung hinter mich gebracht. Ich bin müde und ausgelaugt von den letzten Wochen. Mit meiner Freundin Greta sitze ich jetzt also bei McDonalds und wir zelebrieren relativ unspektakulär, dass die Hälfte unseres Studiums rum ist. Greta knabbert an ihren Pommes und ich lege angewidert meinen veganen Burger zur Seite und schweife aus irgendeinem Grund in Gedanken zu meiner Mama. Schon immer habe ich gerne über meine Mutter geredet. Warum auch nicht. Schließlich habe ich nur gute Erinnerungen an sie. Sie wird für immer mein größtes Vorbild bleiben. Also lasse ich auch diesmal eine Anekdote mit ihr in unsere Konversation einfließen und Greta lacht. Dann widmet sie sich wieder ihren Pommes. „Weißt du“, sage ich etwas unvermittelt, „Meine Mama wäre glaube ich ganz schön stolz auf mich.“ Greta guckt mich an und ich sehe, wie ihr die Tränen in die Augen steigen. „Das glaube ich auch.“ Wir lächeln uns an und wischen uns die Augen. Das war der Tag, an dem ich in einem McDonalds geweint habe.

Noch ein Kind

Mittlerweile ist es sieben Jahre her, dass ich vor einem offenen Grab stand, in das eine Urne gelassen wurde. Ich kann bis heute nicht begreifen, dass in diesem Gefäß, was ich angeblich ausgesucht habe, die Überreste meiner Mutter sein sollen. Aber dann wiederum frage ich mich, ob ich es überhaupt jemals verstehen werde, dass ich sie nie wiedersehe. Ich war gerade 18, als Mama nicht mehr aus dem Krankenhaus zurückkam. Einige Leute sagen mir heute, dass ich ja im Grunde schon erwachsen war und manche Kinder ihre Eltern viel früher verlieren. Für diese Menschen, deren beide Erzeuger noch leben, habe ich immer nur ein müdes Lächeln übrig. Es wäre nie einfach gewesen. Und wenn ich so zurückblicke, war ich mit 18 noch ein Kind, was seine Mutter gebraucht hätte. Ehrlich gesagt, fühle ich mich heute noch manchmal so.

Meine größte Cheerleaderin

Das Schwierigste an dieser ganzen Halbwaisen-Geschichte ist eigentlich, dass ich meine größte Cheerleaderin verloren habe. Meine Mama war immer für mich da. Damit meine ich wirklich immer. Sie hat mich in den Arm genommen, als ich damals kein Stipendium für Amerika bekommen habe. Sie hat mich zu meiner ersten Therapiesitzung gefahren. Ich kann gar nicht mehr zählen von wie vielen Partys sie mich abgeholt hat, als ich zu betrunken war, um die Bahn zu nehmen. Wann immer mir etwas auf dem Herzen lag, ich konnte es mit ihr besprechen. Sogar Dinge, die sie nicht verstanden hat. Wie zum Beispiel meine Depressionen. Meine Mutter ist wahnsinnig geworden, weil sie mir nicht helfen konnte. Es war halt kein offener Bruch, mit dem sie mich einfach hätte ins Krankenhaus fahren können. Wenn es einst gab, was meine Mutter gehasst hat war es, hilflos zu sein.

Jetzt bin ich 25 Jahre alt und habe in den Jahren, seitdem meine Mama tot ist einiges erlebt. Viel Schlechtes leider, aber auch so viele gute Dinge. Mittlerweile kann ich aber selbstbewusst sagen, dass ich meine Mitte halbwegs gefunden habe. Ich habe einen tollen Freundeskreis, habe endlich das gefunden, was ich den Rest meines Lebens machen will, wohne mit tollen Menschen zusammen und sehe jemanden, den ich wirklich sehr gerne mag. Trotzdem wünsche ich mir ab und an, dass meine Mutter das alles hätte miterleben können. Denn wie ich schon zu Greta bei McDonalds meinte: Meine Mama wäre verdammt stolz auf mich.

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