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Leather out Loud statt Logomania

von Fatima Njoya
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Laute Zurückhaltung bringt Bottega Veneta erneut auf die Bildfläche. Die unter Tomas Maier, in den letzten Jahren, stagnierende Luxusmarke wagt einen neuen Versuch, für mehr Relevanz. Mit dem 32-jährigen Daniel Lee, der zuvor unter Phoebe Philo als Leiter der Ready-to-Wear bei Céline gearbeitet hatte, erhoffen sich viele #oldcéline-Fans, bei seiner Debut-Show, ein Stück der Philo Nostalgie.

Mit der Fall/Winter 2019 Kollektion, die in einer Gewächshaus-Installation auf der Mailänder Fashion Week gezeigt wurde, wird gewiss Luxus muss nicht immer auf den ersten Blick erschlagen. Obwohl der opening Look zu Anfang für einen Ah-Moment sorgt, hat der Zuschauer nicht das Gefühl vor lauter Branding den Überblick über die eigentliche Ausdruckskraft der Designs zu verlieren. Outfit um Outfit wird klarer, die Models und das neue Bottega Veneta sind hier, um ein starkes Statement zu setzten. Eine neue Definition von Luxus. Rund um exquisite Lederverarbeitung, wie auch der Markenname, welcher für venezianische Werkstatt steht, verspricht.

Handwerkskunst als neue Logomainia

Der Designer arbeitet, wie bereits in seiner Abschlusskollektion am Central Saint Martens College 2011 mit verschiedenen Veredelungs- und Manipulationsmethodiken. Wie beispielsweise dem Intrecciato, dem Brand-typischen Leder-Flechtmuster, welches auf Leder und als Kachelförmige Analogie im Stepp wiederholt auftaucht. Hier schlägt er zudem Parallelen zu einem Mantel, den Tomas Maier 2009 in seiner Pre-Fall Kollektion zeigte.

Die Kollektion, mit dem Namen „warderobe for worriers of the wasteland“, zeichnet ein düsteres Bild von Kämpfern in einer fast schon Dystopisch anmutenden Welt, welche wohl als eine Anspielung auf die aktuellen weltpolitischen Ereignisse gesehen werden könnte. Die Warrior-Thematik lässt sich anhand eines Vergleiches mit der Terrakotta Armee von Kaisers Qin Shi Huang Di festmachen, deren Rüstungspanzerungen Ähnlichkeiten zu der quadratischen Form der Intrecciato-Prägung und den Kachelförmigen Steppmustern aufweist. Sie stehen auf einem mehrere Hektar großen Gebiet im Nirgendwo und bewachen stumm die Grabstätte ihres Anführers. Das Bild wird dadurch verstärkt, dass die Models ausschließlich fast schon brutal wirkende chunky-boots tragen – natürlich aus Leder – und einige der entstehenden Körperformen an Schutzkleidung oder Panzerung erinnern.

Unerschrocken ist die neue Sinnlichkeit

Die moderne Silhouette der BV-Women ist Bold und oversized, trotzdem liegt ihr durch die hochwertigen Materialien eine moderne Eleganz inne. Neben den kastigen, etwas ungelenk wirkenden Schnitten schleicht sich auch eine feminine fast schon sinnliche Note ein, mittels filigrane Detaillösungen an den Mänteln und ebenso raffinierte Kragenkomponente. Letztere sorgen gemeinsam mit den im Kontrast stehenden, figurbetonten Silhouetten dafür, dass die harten Formen aufgebrochen werden. Das einzig offensichtliche Branding, neben dem Intrecciato, welches als Adaption eines Logos gesehen werden könnte, sind die V-förmigen Verschlusselemente, die mit verschiedenartigen Gliederketten befestigt sind. Insgesamt ist die gesamte Kollektion minimal gehalten, weißt aber einige dekonstruierte Elemente und das dunkle Farbspektrum durchbrechende, vibrante Farbakzente auf.

Auf dem Weg zu seiner eigenen Sprache

Allgemein lässt sich sagen, Daniel Lee bleibt seinen Worten treu, an der Heritage des Unternehmens festzuhalten und ein lauteres und zeitgemäßeres Bottega Veneta zu schaffen, ganz nach dem Leitbild: “When your own initals are enough“. Das gelingt ihm mit der Kollektion auch ausgesprochen gut. Im Vergleich zu den anderen Kering-Labeln, wie Gucci und Saint Laurent, sticht Bottega Veneta im Portfolio deutlich hervor. Anstelle von überladenen Logo-Statements, bekommen wir einen eher subtileren Luxus, der sich ebenso gut im Streetstyle, als auch in einem sehr konservativen Kontext anwenden lässt. Eine Art Code, den Insider erkennen und sich anerkennend zunicken.

Der nach dem Designerwechsel bei Celine, über ihm schwebende Schatten, einen gleichwertigen Ausgleich für die Céline-Kundin zu schaffen, lastete mit Sicherheit auf dem Newcomer. Natürlich sind einige parallelen erkennbar, die zwangsläufig entstehen, wenn man Protegé eines Designers ist. Trotzdem hat er seine Version eines moderneren Bottega Venetas im Sinne der DNA des Labels umsetzten können, indem er die Vergangenheit respektiert und sie sinngemäß in das Hier und jetzt transkribiert.

 

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Schönheit der Brutalität und großangelegte Identitätsfragen - oh-bama 28. März 2020 - 16:07

[…] Fall/Winter 2019 Collection, begleitet uns das klobige Schuhwerk nun seit mehreren Saisons. Auch Ledermeister wie Bottega Veneta und Burberry, sowie Chloé lassen sich in Bezug auf diesen Aspekt nicht lumpen. Mehr und mehr zieht […]

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