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Heidi, die Mädchen und ich – Folge Eins

von Miriam Woelke
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Lange habe ich überlegt, ob ich wirklich bereit bin meine kostbare Zeit für dieses kleine Experiment zu opfern. Aber die Uniabgaben liegen jetzt eine Woche hinter mir und da ich die meiste Zeit des Tages nur im Bett liegend Verschwörungstheorien auf YouTube schaue, kann ich mich genauso gut auch mit diesem Thema beschäftigen. Wie der Titel schon verrät: Es geht um Germany’s Next Topmodel. Genauer gesagt um die aktuelle Staffel, die vor zwei Wochen gestartet ist.

Eine kleine vorab Info: Als die erste Staffel GNTM 2006 im Fernsehen lief, war ich zarte 11 Jahre alt. Und natürlich ein Riesenfan! In der Schule wurde jeden Freitag über die Folge vom Vorabend gesprochen. Jeder hatte seine ganz persönliche Favoritin. So ging das einige Jahre, Staffel für Staffel. Doch nachdem 2009 in der vierten Staffel Sara Nuru gewonnen hatte, verlor ich doch irgendwie die Lust an der ganzen Sache. Die Mädchen waren mir zu zickig, Heidi zu nervig und außerdem passierte jeder Season ungefähr das Gleiche. Nur um klarzustellen, wie wenig ich mit dem ganzen Topmodel-Wahnsinn ich in Berührung gekommen bin in den letzten zehn Jahren: Ich dachte bis vor 8 Monaten noch, dass Stefanie Giesinger eine Youtuberin / Influencerin sei. Aber heute, ein Jahrzehnt später, will ich mich Heidi Klum und ihren Mädchen noch einmal stellen. Jede Woche werde ich mir die Folgen der aktuellen Staffel anschauen. Und anschließend meine Gedanken dazu hier auf dem Blog teilen. Da nun schon zwei Folgen ausgestrahlt wurden und die nächste bereits gestern Abend auf ProSieben zu sehen war, werde ich in diesem Post die erste Episode kurz herunterbrechen und in einem Extra-Post morgen und am Wochenende dann die zweite und dritte. Macht euch also bereit für eine ordentliche Portion Fremdscham und Sarkasmus.

Folge 1 – Der Wahnsinn beginnt

Eigentlich wollte ich schon am Vorabend (Donnerstag) mit den ersten zwei Folgen aufholen. Allerdings hat mich eine Netflix Doku dann doch etwas mehr begeistert und so habe ich mein Glas Wein, was ich mir zu dem Spektakel gönnen wollte, gegen eine Tasse Kaffee am Morgen getauscht. Ich mache es mir also um Bett bequem und starte online die erste Episode von Germany’s Next Topmodel. Schon bei der Werbung über „Smart Water“ – was soll das überhaupt sein? – möchte ich gerne mein Vorhaben abbrechen. Ich bleibe aber am Ball und nach einem dramatisch inszenierten Ausblick auf die kommende Staffel (viele Tränen und Gezicke) und Heidis „Ich erwarte in dieser Staffel von meinen Models noch mehr. Mehr Biss. Mehr Personality. Mehr Show. Mehr Glamour. Mehr Fashion.“ Gefasel geht es dann endlich los. Die 50 auserwählten Mädchen wurden zum Lunchen mit Heidi eingeladen. Nachdem gute 45 Minuten damit verbracht werden, die tragischen Lebensgeschichten einiger Models aufzuzeigen (die kommen auf jeden Fall weiter, sonst würde nicht so ein Wirbel um sie gemacht), dürfen Girls dann endlich an der langen Tafel Platz nehmen, die vor Kalorien und Carbs nur so überquillt. Und direkt das erste Drama. Die kleine Joy wagt es doch tatsächlich, einfach etwas von dem Buffet zu ESSEN! Ist die denn verrückt? Aber Mama Heidi erscheint in ihrem Morgenmantel und erlaubt den Mädchen offiziell, beim Essen zuzugreifen. Während also alle super nervös an irgendetwas knabbern, dreht Heidi ihre Runde, fasst hier und da mal ungefragt in die Haare und quetscht sich neben die Mädchen auf die Stühle.

Mein persönliches Highlight an dem Tisch war, als sie sich neben Sayana setzte, die an dem Tag einen Sari trug, da ihre Familie aus Indien nach Deutschland immigriert ist. „Wow! Ich liebe Indien ja“, war Heidis Aussage und ich hätte am liebsten direkt wegeklickt. Aber weil Diversity, wie immer wieder betont wird, ja etwas super Wichtiges ist (und gerade in der Modewelt auch ziemlich gefragt ist), kann man Heidi natürlich keinen Vorwurf machen! Nach dem Essen dürfen Mädels dann über den Tisch der zum Laufsteg umgewandelt staksen, Mutti gibt ein paar nicht so nette Kommentare ab und muss sich leider von zehn Mädchen verabschieden. Besonders sind mir bei diesem ersten „Runway“ Melissa (sie könnte mit ihrem Aussehen locker für Vetements oder Balenciaga laufen), Anastasia (sie ist ja so viel dünner und hübscher als alle – auf jeden Fall wird sie die Oberzicke der Staffel) und die Freundin von Simon Desue (traurig, dass ich mich nicht an ihren Namen erinnern kann) im Gedächtnis geblieben, einfach, weil alle drei völlig fehl am Platz schienen.

„Wir sind hier nicht bei Wünsch dir Was!“

 Am nächsten Tag dürfen die 40 übrigen Mädels für Micheal Michalsky über den Runway laufen. Die erste große Fashion Show! Mit von der Partie ist die Gewinnerin der ersten Staffel Lena Gercke. Überraschender Weise kommt sie unheimlich sympathisch herüber und versucht wirklich, den Mädchen zu helfen. Nachdem die Running Order eigentlich schon in trockenen Tüchern ist (leider gab es für Anastasia nicht das ersehnte Hochzeitskleid und die Show Schließen durfte sie dann auch nicht!), schmeißt der Designer noch einmal alles kurz vor Ende um, weil ihn eines der Mädchen unheimlich begeistert hat. Er möchte, dass Tatjana (eine Transgender Frau, wie immer wieder verdeutlicht wird) die Show schließt. Und zwar nicht aus dem Grund, weil sie besonders gut läuft, sondern weil auch Michael ein Fan von Diversity ist.

Drama Baby!

Kurz vor der Show gibt es die ein oder andere Träne und Sätze wie „Ich habe meinen Job hierfür gekündigt“, lassen mich nur verständnislos den Kopf schütteln. Aber dann geht die Show los und alle sind nervös. Eröffnet wird die Show von Rotschopf (auch an ihren Namen kann ich mich leider nicht erinnern) und sie macht ihren Job ganz solide, was auch Heidi und Lena finden. Danach folgt eine Reihe von Fremdschäm-Momenten, zum Beispiel als Joy plötzlich vergisst, dass sie den Laufsteg auch wieder zurückmuss. Am Ende haben es dann alle 40 mit vielen Stolpere, aber keinem Fall über die Bühne geschafft. Heidi gibt Micheal ein Bussi links, ein Bussi rechts und dann geht es weiter mit der Entscheidung, denn für zehn weitere Mädchen ist der Traum vom Topmodel heute vorbei. Ich hasse mich selber, weil ich zu diesem Zeitpunkt bereits mitfiebere, obwohl ich das doch gar nicht wollte. Hoffentlich kommen Melissa und Sayana weiter, denke ich mir. Und zum Glück kommen auch beide weiter! Heidi braucht für diese dramatischen Entscheidungen geschlagene 30 Minuten und eine Unmenge an Close-Ups und Zoom-Ins. Die Freundin von Simon Desue ist kurz verwirrt, warum sie denn kein Foto bekommt, obwohl sie weiter ist. Nach der Entscheidung fließen viele Tränen und es gibt viele Umarmungen und noch mehr Tränen (man kennt sich ja schließlich schon fast einen ganzen Tag) und endlich ist die erste Folge von GNTM vorbei!

Fazit

 Zuerst einmal kann ich sagen, dass ich in den letzten zehn Jahren nicht wirklich etwas verpasst habe. Klar, Heidi ist älter geworden und es gibt seit dieser Staffel keine feste Jury mehr. Aber die bitteren Tränen, der die Zickerei und vor allem der Cringe ist immer noch genauso wie 2009. Ich weiß, auch GNTM ist nur eine geskriptete Show und ich habe nicht viel erwartet, aber es ist schon traurig, wie die Mädchen von Anfang an in Rollen gezwängt werden. Sayana, die Inderin, die trotz ihres Glaubens modelt. Melissa, das bisexuelle Mädchen, das einen besonders außergewöhnlichen Look hat. Tatjana, die erst vor wenigen Monaten ihre letzte Operation hatte, die Transgender Frau. Aber eben diese Geschichten sind es, auf die Heidi mit ihrem Diversity Gequatsche anspielt. Leider vermute ich stark, dass es ihr dabei nicht um Repräsentation geht, sondern viel mehr um die Zuschauerzahlen. Denn wir Heidi leider schon richtig gesagt hat: In der Mode ist Diversity gerade sehr „in“. Und das macht mich am traurigsten. Von vielen, auch GNTM, wird das Wort wie eine Art Aushängeschild benutzt. Niemand sollte geacastet werden, wegen Hautfarbe, Geschlechts oder Sexualität. Damit reduziert man das Model doch wieder nur auf eine einzige Sache. Und diese Dinge als eine Art Modeerscheinung abzustempeln, finde ich sowieso sehr unsensibel und unangebracht. Aber natürlich bleibe ich weiterhin am Ball und schaue mir, wie sich die Top 30 in der nächsten Folge entwickeln werden.

Und denkt immer dran: „Nur eine kann Germany’s Next Topmodel werden!“

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Heidi, die Mädchen und ich - Folge Zwei - oh-bama 26. Februar 2019 - 12:01

[…] muss ich mich für meinen Beitrag zur ersten Folge von Germany’s Next Topmodel entschuldigen. Wie ich gestern von Fatima und dem stillen dritten Mitglied von OhBama!, Greta, […]

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