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Die schlechteste Reißleine

von Fatima Njoya
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Letzte Woche noch schrieb ich einen Text über den uns möglicherweise bevorstehenden Paradigmenwechsel von der Hustle Culture zum Homebody Hub. Immer mehr Offices geben uns #digitalnomades die Freiheit, ortsungebunden unseren Träumen nachzugehen. Wie die Mode oder der Bekleidenden-Faktor in Bezug auf Workwear und bestimmte Dresscodes verändert wird, war eins der Dinge, die ich mich gefragt habe. Chamäleon-Kleidung, die mehr kann und sich verschiedenen Gegebenheiten anpasst, schien mir die Lösung. Eine Auffahrt der Joy of Missing  out (JOMO) stellte ich mir vor. Mit gutem Gewissen zu Hause bleiben und alles canceln, denn Home ist the safest and most comfortable place to stay! … dachte ich. Jetzt ist aus der freiwilligen Entscheidung für eine Staying-In-Mentalität ein mehr oder weniger offiziell angeordneter Zustand geworden.

 

Klopapier, die schlechteste Reißleine

Staying-out ist out und für viele zum Risiko geworden. Was macht das mit uns? Der Art wie wir uns kleiden, Kommunizieren? Wohin können wir flüchten, wenn unser Safe-Place eben nicht die eigenen vier Wände, sondern Institutionen, Freiräume und einige sogar einen Herzschlag haben? Ich wollte ein Rebranding für unverbindliches telefonieren, einfach so. Könnte das die Stunde sein, die den Anruf gesellschaftsfähig macht? Und dann sind da diese Ängste, mit denen sich viele von uns rumschlagen müssen: Rechnungen, geplatzte Aufträge, Zukunfts- und Existenzängste. Gleichzeitig aber auch Chancen für Solidarität, die Erschließung neuer Räume, besonders im digitalen. Plattformen für alle, die wir vielleicht noch nicht gehört haben oder hören konnten, weil unser eigenes Leben eben doch manchmal viel zu laut schreit. Der perfekte Zeitpunkt um zur Ruhe zu kommen, eigentlich. Wenn an dieser Ruhe nicht noch ein ganzer Rattenschwanz hängen würde, der den ein oder anderen mit sich reißen könnte. Denn auch wenn für viele Isolation und Social-Distancing ein äquivalent zu Detox und Selfcare ist, kann es für die anderen auch der letzte Faden sein. Und Klopapier ist definitiv die schlechteste Reißleine.

Die Medien sind wie ein Leuchtfeuer. Wohin das Auge sieht Warnungen, Moralaposteln, News, Updates, Fakenews. Wer hat da noch den Durchblick. Es ist mehr undurchsichtig, als beruhigend und so richtig kann man sich eben auch nicht entziehen. Trotz dieser Sintflut möchte ich mir Zeit nehmen für einige #Treasures. Artikel und Meinungen, die inspirieren. Uns zum Denken anregen können, abseits von Panikmache und Zeigefinger. Wie können wir Geschichten erzählen, mit Kleidung, Worten, ohne Berührungen und mit minimalem menschlichen Kontakt. Lasst uns bedeutsam sein, auch wenn wir uns distanzieren müssen. Wege finden, bis wir wieder IRL Socializen können.

 

Our clothes tell our story. What happens when the narrative is just pajamas and sweats?

Robin Givhan schreibt in ihrem Artikel, der Washington Post, über den Narrativ unserer Kleidung. Was hat sie außerhalb des offensichtlichen, bekleidenden Faktors für Kommunikationspotenzial und wie tiefgreifend ist diese Bedeutung für unser soziales Verhalten? Im vergangenen Jahr konnte ich viel über die Psychologie von Bekleidung lernen, ihren Schutzfaktor, die Verwendung als Schmuck und die Scham. Immer ging es um Konstellationen, das Miteinander. Auch wenn wir jetzt nicht alleine sind, wirft es dennoch dieses Konzept stückweise über den Haufen – all dressed up and nowhere to go. Es bricht mit Ritualen und Verhaltensweisen, die wir auf einmal umstellen oder sogar verwerfen müssen. Solange bis die Ungewissheit ein Gesicht hat und sich der Nebel lichtet.

“When we can no longer find a reason to consider our attire — even just a little bit, even for the briefest outing, we go silent. And our story, in all of its nuance, grandeur and humanity, goes untold. So as we isolate ourselves at home, our clothes can be our pep talk, an impassioned soliloquy. As we scurry along the street, dutiful in our social distancing, our clothes become glancing waves — reminders that at some point we will speak to each other again.”

 

Die Fragilität alternativer Lebenskonzepte

Auch kulturell ist die Isolation einschneidend. Verlieren wir ein Stück Kultur, wenn sich die kleinen öffentlichen Räume nicht mehr halten können und unter der finanziellen Situation zusammenbrechen? Wird sich die Kreativwirtschaft und ihre Vielfalt davon erholen können? Einen Appell für die positiven Seiten des Corona-Lockdown hat Kunstmagazin Monopol in Ji-Hun Kims On:Off Kolumne. Es wird die Fragilität alternativer Lebenskonzepte infrage gestellt, doch auch im Kapitalismus ist nicht alles Gold, was glänzt.

“Künstler, kommt ins Netz! Für die Kultur wird heuer der digitale Raum immer bedeutsamer. Denn er scheint die einzige Option, in Zeiten der sozialen Distanzierung Möglichkeitsräume und gesellschaftliche Interaktion zu ermöglichen. Musik und Kunst waren stets durch ihre realen Orte definiert. Clubs, Galerien, Museen und große Spektakel wie Messen und Festivals. Be there or be square“

 

This is more than working from home

Um den Kreis zu schließen #personaltoughts von Leandra (Manrepeller). Denn an bestimmten Stellen drehen wir uns im Kreis. Wir können die Dinge nicht beeinflussen, können eigentlich nur abwarten und die obligatorische Tasse Tee trinken, während wir versuchen alle Motoren am Laufen zu halten. Sich lebendig fühlen in Zeiten von Isolation und Unsicherheit, definitive keine leichte Challenge – but we can make it!

You have to sit and think and feel your way through incredibly uncomfortable fire hoops of analysis to come to terms with the harrowing recognition that you have only successfully accomplished the task if you’re sure you feel like you just ran a marathon even though in the realm of physical space, you haven’t moved an inch. Or maybe you’ve moved an inch, I don’t really know, but here I am. Here we are. Trying to find the story in what it means to be alive right now.

Manchmal muss man altes und bekanntes loslassen und sich in ungewisse Situationen begeben. Klar ist das beängstigend und alles in einem sträubt sich dagegen. Doch unter den gegebenen Umständen lässt sich nur das Beste daraus machen. Dinge brauchen Zeit und die sollten wir ihnen geben – egal wie ungeduldig wir sind. Es gibt Licht am Tunnel und der Weg ist vielleicht unerprobt, aber keine Schwarzmalerei.

 

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It’s more important than ever to be alone together. to take care of everybody. our cover this week #zeitmagazin

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