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Der Kondo-Transfer: Does it spark joy?

von Fatima Njoya
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Nachdem die Marie Kondo Welle, die durch dir gleichnamige Netflix Serie ausgelöst wurde, abgeebbt ist, stellt sich die Frage: Was ist aus dem Kondo-Tsunami geworden, der alle mitgerissen und den Inhalt sämtlicher Kleiderschränke auf ein Minimum reduziert hat?

Minimalismus, clean ups und „how-to-reduce-my-warderobe-tutorials“ gab es schon lange vor Marie K. und auch sie räumt schon seit 2011 auf. Doch erste jetzt wurde das Ganze zu so einem großen Lifestyle Trend oder fast schon Hype. Überall auf Social Media, Flohmärkten und selbst im eigenen Freundeskreis gab es nur noch ein Thema: Kondo, Kondo, Kondo! Für alle, die nur mit Brüdern aufgewachsen sind, außerhalb von Social Media oder hinter dem Berg leben eine kurze Zusammenfassung des MK-Trends.

Does it spark joy? Die Aufräummeisterin oder auch Ordnungsberaterin widmet sich, gemeinsam mit ihren Zuschauern dem verhassten Aussortieren des Kleiderschrankes und das mit sehr großem Erfolg. Mit wenigen, einfachen Fragen bringt sie uns dazu unseren Besitz auf nur das, was wir wirklich brauchen, zu dezimieren. Das ganze Konzept fußt auf einer eigens von ihr entworfenen Philosophie. Man braucht nur das, was man braucht und wirklich trägt, der Rest ist Ballast. Effizient, zeit- und platzsparend ist die Devise, über die es mehrere Bücher und Serienproduktionen gibt.

Was bleibt nach dem Marie Kondo unsere Kleiderschränke entrümpelt hat?

So leicht wie wir uns mit einem einfachen Does it spark you joy? von materiellen Dingen trennen, so schwer fällt es uns jedoch das Ganze auf andere Bereiche unseres Lebens anzuwenden. Dabei ist ihr Konzept simpel und im Prinzip auf vieles zu transferieren.

Meinen Kleiderschrank habe ich unter Kontrolle, dafür habe ich keine Marie Kondo und ihre Serie gebraucht. Aber an andere Stelle in meinem Leben, würde ich sie gerne einladen und gemeinsam mit ihr Ordnung schaffen. So wie der Eine Taschen, Mäntel, Schuhe oder ähnliches horten, habe ich einen Hang zu ungesunden Beziehungen. Nicht unbedingt auf Männer bezogen, sondern im Allgemeinen. Mein Bruder hat mir einmal Naivität diagnostiziert und ich das lautstark von mit gewiesen. Jetzt mit einigen Jahren Abstand muss ich ihm unwilligerweise recht geben. Ich tendiere dazu immer mehr in etwas zu investieren, aus dem ich meistens nicht herausbekomme. Meine Seite der Waage wiegt immer schwerer und ich würde mir auch ein Bein abhacken – doch damit läuft es sich nicht gut.

In den letzten Wochen habe ich gemerkt, dass ich müde bin. Verdammt müde davon im Regen stehen gelassen zu werden. (Letzteres ereignete sich erst kürzlich, wortwörtlich) Müde von Unzuverlässigkeit, dem immer wiederholenden „sorry, hab‘s verpeilt“ und meinem „ist schon okay“, obwohl es das nicht ist. Du lässt niemanden hängen, der dir wichtig ist und wenn das mit Leuten passiert, die man gerade kennenlernt, dann lieber gleich den Hörer aufhängen – heute und in Zukunft bin ich für dich nicht mehr erreichbar.

Was Marie K nun  mit Transferaufgaben und zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun hat und was wir aus Kleiderschrankentrümpeln alles fürs Leben mitnehmen können?

Ganz einfach: Ihr Konzept mit der Kernfrage „Does it spark (you) joy?“ ist ein simples und heruntergebrochenes Konzept uns selbst zu fragen, wie viel uns etwas gibt. Auch gleichzusetzen mit macht es dich glücklich oder was ist der Output? Am Ende ist ihr ganzes Geheimnis eine Kosten-Nutzen-Rechnung. So abgehalftert das auch klingen mag. Wovon profitierst du? Was macht dich glücklich und was hast du einfach nur da, weil du dich nicht davon trennen kannst? Der guten alten Zeit zur Liebe, Erinnerung an etwas Besonderes. Natürlich gibt es Dinge, die emotionalen Verknüpfungen haben. Aber wird der emotionale Wert denn weniger, wenn wir uns davon trennen? Das eine hat mit dem anderen ja nichts zu tun. Die Erinnerung, die ich damit verbinde, ist in meinem Kopf, erzeugt dort die Nostalgie und überträgt diese auf das Objekt. Aber ich kann doch auch nostalgisch sein ohne eine Objektifizierung, oder nicht?

Niemand ist unfehlbar und manchmal erwischt man sich selbst bei einem halbherzigen „ja lass unbedingt auf nen Kaffee treffen“ doch zumindest war das nur ein zwischen Tür und Angel und keine Verbindlichkeit. Und ja man trifft immer wieder auf tolle Menschen, aber nicht mit allen schafft man es eben sich ständig zu verabreden. Und das ist auch nicht schlimme, manchmal bleibt es dann eben bei der „vielleicht mal auf nen Kaffee Freundschaft“ doch zumindest gibt man dem anderen kein schlechtes Gefühl bei nicht Eingehaltenem. Dann bleibt es mal eben bei null –mit Aussicht auf Kaffee.

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1 comment

afair - dumped in quarantine - oh-bama 2. April 2020 - 23:25

[…] oder nicht. Wenn es schon daran scheitert, dann können wir uns den Rest sparen. Oder wie es der Kondo-Transfer so schön beschreibt: Does ist sparks […]

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